Meerrettich (Armoracia rusticana)
Meerrettich (Armoracia rusticana) Meerrettich (Armoracia rusticana)

Meerrettich
(Armoracia rusticana)

Der Meerrettich bereichert als scharfe Zutat in vielen Gegenden traditionell den Speiseplan. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Wurzel auch gesund ist: Sie wirkt als natürliches Antibiotikum gegen Viren und Bakterien.

Meerrettich
(Armoracia rusticana)

Der Meerrettich bereichert als scharfe Zutat in vielen Gegenden traditionell den Speiseplan. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Wurzel auch gesund ist: Sie wirkt als natürliches Antibiotikum gegen Viren und Bakterien.

Viele Menschen kennen den Meerrettich als scharfe Zutat in Sossen, Quark oder zu Fisch und Fleischspeisen. Den charakteristischen, scharfen Geschmack erhält die Meerrettichwurzel durch die enthaltenen Senföle. Genau diese Inhaltsstoffe sind es auch, die den Meerrettich als Arzneipflanze interessant machen. Lesen Sie hier mehr über den Meerrettich, seine Kulturgeschichte und die innerliche Anwendung zur Bekämpfung von Krankheitserregern.

Der Meerrettich (Armoracia rusticana) gehört – genau wie Weisskohl, Brokkoli, Kohlrabi oder Raps – zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Die Pflanze stammt aus Süd- und Osteuropa. Dort wird sie auch Kren genannt und ist Bestandteil zahlreicher traditioneller Rezepte. In diesen Regionen findet man auch häufig verwilderte Meerrettichpflanzen.

Grosse Anbaugebiete liegen unter anderem in Franken (in der Gegend um Nürnberg) und in der Steiermark. Inzwischen wird Meerrettich (englisch: horseradish) auch in den USA, speziell in der Gegend um Collinsville (Illinois), in grossen Mengen kommerziell angebaut. Der US-Anbau geht auf Pflanzen zurück, die aus Deutschland – genauer gesagt aus dem Spreewald – importiert wurden.

Der Meerrettich ist eine krautige Pflanze, deren charakteristisches Merkmal grosse, bis zu 50 Zentimeter lange Blätter sind. Diese sitzen auf dicken, grundständigen Blattstielen. Für Arzneimittel und in der Küche verwendet man die Wurzel. Diese kann eine Länge von bis zu 60 Zentimetern erreichen. Aussen sind die Wurzeln bräunlich, innen faserig und weiss.

Meerrettich blüht von Mai bis Juli. Der Blütenstand kann bis zu 120 Zentimeter hoch aufwachsen. Daran entwickeln sich aus gelb-grünlichen Knospen weisse Blüten, die einen Durchmesser von 1 bis 1,5 Zentimetern haben. Mehrere Blüten stehen in Trauben zusammen. Nach der Blüte bilden sich Schoten, die aber oft nicht ganz ausreifen.

Vor allem in Bayern und Teilen von Österreich hat der Meerrettich, in diesen Gegenden Kren genannt, eine lange Tradition. Die sogenannten „Krenweiberl“ zogen dort früher mit geschulterten Körben von Tür zu Tür, um die frisch geernteten Wurzeln zu verkaufen. Die Käufer nutzen die Meerrettichwurzeln für traditionelle Rezepte in der Küche oder auch zur Förderung der Gesundheit. Heute zu Zeiten moderner Supermärkte ist dieser Beruf ausgestorben.

Das Wasabi der japanischen Küche enthält heute zum Grossteil Meerrettichwurzel (Armoracia rusticana), und nicht Wasabiwurzel (Eutrema japonicum). Der Grund ist die Seltenheit der Wasabi-Pflanze.

Meerrettich galt immer schon als besonders gesund. Traditionell wurde er in Bayern, Österreich, der Slowakei, in Südtirol und in Tschechien schon seit Jahrhunderten zur Stärkung der Gesundheit verwendet. Er wurde nach überlieferten Heilrezepten äusserlich als hauterrötendes Mittel und innerlich gegen Skorbut, Wassersucht und Wechselfieber (Malaria) eingesetzt.

Wer schon einmal Meerrettich reiben musste oder zu viel davon in den Mund genommen hat, kennt die Schärfe, die in die Nase steigt und die Augen zum Tränen bringen kann. Der Grund dafür sind Senfölglykoside (Glucosinolate). Diese sind nicht nur für die Schärfe verantwortlich, sondern auch gesund. Sie können unter anderem Bakterien bekämpfen. Auch das Wachstum von Viren und Pilzen wird durch Meerrettich gehemmt. Darum kann die Pflanze vielseitig bei unterschiedlichen Infektionen eingesetzt werden.

Neben den Senfölen enthält der Meerrettich auch Vitamin C, Vitamin B1, B2 und B6, eine Reihe von gesunden Mineralstoffen sowie Allicin (der Stoff, der dem Knoblauch seinen typischen Geruch gibt).

Aufgrund seiner antibakteriellen und antiviralen Wirkung wird Meerrettich bei verschiedenen Infekten erfolgreich angewendet. Traditionell wird frischer Meerrettich gerieben und mit Alkohol als Tinktur angesetzt. Gegen Husten wird als Hausmittel die geriebene Wurzel mit Honig vermengt. Frisch reiben muss man die scharfen Meerrettichwurzeln heute jedoch nicht mehr unbedingt, denn Extrakte der Pflanze sind in einigen pflanzlichen Arzneimitteln enthalten.

Studien zeigen, dass Extrakte der Meerrettichwurzel bei Grippe, Atemwegsinfekten, Blasenentzündung und Nasennebenhöhlenentzündungen gut wirksam sind. Besonders bewährt hat sich eine Kombination aus Meerrettich und Kapuzinerkresse, wie zum Beispiel in angocin®. Kombiniert man beide miteinander, wirken sie gegen ein breites Spektrum verschiedener Bakterien. Präparate mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkresse werden deshalb als natürliches Antibiotikum bei Blasenentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis eingesetzt. Sie haben im Vergleich zu Antibiotika jedoch viele Vorteile: Sie erzeugen keine Resistenzen, haben kaum Nebenwirkungen und sind neben Bakterien auch gegen Viren und Pilze wirksam. Meerrettichzubereitungen sollten allerdings nicht bei Magen- oder Darmgeschwüren und Schilddrüsenfehlfunktionen angewendet werden.

 

Beachten Sie bitte: Auch pflanzliche Arzneimittel können Wechselwirkungen und Nebenwirkungen haben. Achten Sie auf die Packungsbeilage und wenden Sie sich für weitere Informationen an Ihren Arzt oder Apotheker.

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