Evidenzbasierte Phytotherapie

Heilmittel aus Pflanzen gehören zu den ältesten bekannten Therapieformen zur Erhaltung der Gesundheit und sind heute aktueller denn je. Moderne pflanzliche Arzneimittel schlagen heute die Brücke zwischen alternativen bzw. traditionell angewandten Heilmethoden und der Schulmedizin (moderne Pharmakotherapie) mit synthetisch gewonnenen Wirkstoffen.  

Pflanzenheilkunde gestern und heute

Heilmittel aus Pflanzen sind der Menschheit seit Jahrtausenden bekannt und in allen Kulturkreisen verbreitet. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war die Verwendung von Heilpflanzen als Arzneimittel (Phytotherapie) sogar der einzige Weg, Beschwerden zu lindern und Krankheiten zu heilen. Die Zeit der chemisch–synthetischen Arzneimittel begann erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bis dahin vertrauten Ärzte auf Heilmittel aus der Natur.

In der Einstiegstherapie beim Arzt werden heute Arzneimittel aus der evidenzbasierten, rationalen Phytotherapie (siehe Abschnitt) als Teil der modernen Pharmakotherapie verwendet. Diese Phytotherapeutika müssen ihre Wirksamkeit, ihre Verträglichkeit und ihre Sicherheit in klinischen Untersuchungen belegen. Dementsprechend werden Phytotherapeutika in verschiedenen medizinischen Fachgebieten (z.B. Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Psychiatrie, Gynäkologie etc.) angewendet.

In Abgrenzung dazu gibt es jedoch noch immer viele pflanzliche Zubereitungen, die auf Grund ihrer langen Tradition als Heilmittel eingesetzt werden und sich in verschiedenen Anwendungsbereichen bewährt haben. Hier gilt die lange Tradition als Wirksamkeitsbeweis. Von der modernen Therapie mit pflanzlichen Arzneimitteln getrennt zu sehen sind auch alternativ- und komplementärmedizinische Behandlungsmethoden wie beispielsweise die Homöopathie und die Spagyrik oder auch die Osteopathie und die Akupunktur. Die therapeutische Effizienz vieler alternativmedizinischer Therapien ist aus pharmakologischer Sicht umstritten und Gegenstand vieler wissenschaftlicher Diskussionen.

Rationale Phytotherapie

Während der letzten Jahrzehnte hat sich die Phytotherapie in zwei Richtungen entwickelt: die traditionelle und die rationale Phytotherapie. Während sich die traditionelle Phytotherapie ausschliesslich auf ihre langjährige Erfahrung und Tradition als Heilmittel beruft, geht die rationale Phytotherapie einen Schritt weiter. Zusätzlich werden strenge behördliche und wissenschaftliche Massstäbe zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit des Arzneimittels gesetzt. Rationale Phytopharmaka müssen im Gegensatz zu den traditionellen Arzneimitten und analog zu den chemisch-synthetischen Arzneimitteln allen Anforderungen der präklinischen/toxikologischen und klinischen Sicherheits- und Wirksamkeitsstudien der Gesundheitsbehörden genügen. Ihr Wirkstoff ist häufig ein standardisierter Extrakt mit genauer Einstellung auf wesentliche Markersubstanzen. Das heisst der Extrakt wird auf einige wenige Substanzen eingestellt (standardisiert), unerwünschte Stoffe werden entfernt. Extrakte unterschiedlicher Hersteller sind daher nur sehr schwer miteinander vergleichbar.

Typische Beispiele rationaler Phytopharmaka:

  • Johanniskraut zur Behandlung von depressiven Verstimmungen
  • Pestwurz gegen Heuschnupfen
  • Ginkgo zur Behandlung von Einbussen der mentalen Leistungsfähigkeit
  • Traubensilberkerze zur Behandlung von Wechseljahrbeschwerden